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(Januar 2026)
Immer wieder fühle ich mich ähnlich einem Dinosaurier. Ich entstamme dem letzten Jahrhundert….nein, sogar dem letzten Jahrtausend! Und ich mag auch häufig das Althergebrachte.
Ach ja, damals….. Damals gab es schon die Dauerwelle für das Haupt und die Donauwelle für die Hüften, aber noch keine Mikrowelle für die Bequemlichkeit. Gekocht wurde auf dem Herd. Convenience-Food, Fast Food oder Coffee to go waren genauso wenig erfunden wie Fax, schnurloses Telefon, geschweige denn Mobilfunk oder gar das Internet. Also gabs auch nicht das Darknet, Parship, den seltsamen Beruf der Influencer oder das Online-Shopping. Allein schon diese Begriffe waren, so vermute ich, in keinem Wörterbuch zu finden.
Die modernen Errungenschaften haben neben vielen Nachteilen natürlich durchaus auch Vorteile. Online-Banking kann ich zu jeder Tages- und Nachtzeit erledigen, genauso kann ich rund um die Uhr irgendwelche Mitteilungen verschicken, ohne dabei jemanden zu wecken. Online- Shopping bietet mir eine breite Auswahl (gilt ähnlich fürs Online-Dating), wie ich sie in einem einzigen Geschäft nicht finden kann. Ohne irgendwelche Öffnungszeiten und vor allem ohne hässliche Umkleidekabinen.
Trotzdem - Internet ist nett, aber interaktiv finde ich häufig netter. Besonders beim Einkaufen.
Ich wollte mir mal einen neuen Bikini kaufen. Beim Anprobieren wusste ich gar nicht, wie mir geschah. Grelles Licht von oben leuchtete ziemlich überflüssige Dinge an meinem Körper gnadenlos aus, von denen ich gar nicht wusste, dass sie überhaupt existierten. Barbie, der Insta-Look oder die Models in Paris (damals - zu Dinozeiten - nannte man sie Mannequins, und da waren sie auch noch normalgewichtig) sehen irgendwie anders aus. Wäre ich Gestalterin einer Boutique und den dazugehörigen Umkleidekabinen, würde ich für warmes, gedämpftes Licht sowie getönte und verschmälernde Spiegel sorgen. Und mir eine Umsatzbeteiligung sichern, denn die Verkaufszahlen würden mit diesem freundlichen Gespiegel garantiert nach oben gehen, weil sich jede Kundin besser fühlen würde.
Nun denn, ich wollte mir trotz allem einen Bikini kaufen, probierte ein Modell an und überlegte laut, ob nicht zuviel aus Ober- und Unterteil herausguckte. „Meine Liebe, Sie kaufen einen Bikini, keine Burka!“, ermahnte mich die Verkäuferin fachkundig. Sie selber hatte kein XXS Format. Umso cooler und auch wirklich witzig fand ich ihren Hinweis. Und Recht hat sie. Wie blöd sind wir Frauen eigentlich? Ob wohl all die Bierbauchträger, welche die Entscheidung treffen müssen, wie sie die Badehose kugelsicher tragen können (also oberhalb oder unterhalb der Bauchkugel), komplexbeladen am Strand spazieren gehen? Ich vermute nein. Diese Typen stehen vorm Spiegel, schwanger im mindestens 15. Monat, begutachten sich und stellen fest: „Mann, sehe ich Bombe aus!“ Stimmt. Bombe! Kurz vor der Explosion! Strandfigur ist hier kein Thema, genauso wenig wie eine Diät vor der Badesaison. Nicht dass ich Bierbauch toll fände, aber diese Typen gehen trotz Übergewicht leichter durchs Leben.
Aber jetzt wieder zurück zu den wirklich schönen Dingen: Durch einen mir unerklärlichen Zufall landete ich in einem weiteren hübschen Laden. Mein Mann begleitete mich. Die Boutiquebesitzerin erkannte sofort, dass seine Betreuung mindestens so wichtig war wie meine Einkaufsberatung. Sie zeigte auf zwei bequeme Sessel. „Das hier sind meine Männerstühle. Die müssen unbedingt sein, damit sich alle wohlfühlen.“ Hier hockten sie also immer wieder, die armen Shoppingbegleiter. Wie die Hühner auf der Stange. Wie eine kleine Männerselbsthilfegruppe. Unter psychologisch- fachkundiger Leitung der Verkäuferin. Kostenlos.
All das finde ich wirklich nette Begegnungen. Nicht nur der Wareneinkauf zählt, sondern das ganze Drumherum macht Freude und wertet das rein Materielle zwischenmenschlich auf. Da kann kein Online- Anbieter mithalten, und auch kein Spiegel mit dazugehöriger Beleuchtung darf mein Spassverderber sein.
Auch wenn mal kein gutes Licht auf uns geworfen wird.
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